Die Heilkraft des Lachens

 

 

Lachen ist die beste Medizin!

 

(oder: „there isn’t much laughter in medicin – but there is a great deal of medicin in laughter“, (Journal of American Medical Association) Schon seit über zwanzig Jahren berichten Wissenschafter von der Heilkraft des Lachens. Die Forschung der Gelotolgen, (gelos, Gelächter) sind zu folgenden Ergebnissen gekommen:

 

Das Herz erfährt eine höhere Frequenz, eine bessere Durchblutung und damit einen erhöhten Sauerstofftransport. Dies kommt dem Kreislauf zugute.

 

Der Blutdruck

So beweist eine 20-jährige Langzeitstudie, ist bei über 80% der Teilnehmer die ihr Leben fröhlich verbracht haben und viel lachten, gut und normal. Stressgeplagte Menschen hatten dagegen ab dem 50. Lebensjahr einen doppelt so hohen Blutdruck wie sie ihn mit 30 hatten.

 

Die Lunge

Zeigt eine vertiefte Atmung, mehr CO 2 (Kohlendioxyd) wird abtransportiert, der Feuchtigkeitsgehalt sinkt und die bakterielle Besiedlung und Infektionsgefahr der Lunge geht deutlich zurück.

 

Das Immunsystem

erfährt durch das Lachen eine Steigerung der Abwehrkräfte. Die Vitalität der Blutzellen (NK-Zellen) wird grösser, die Immunfunktion wird gesteigert durch Ausschüttung des für die Immunabwehr wichtigen Botenstoffes, (Gamma-Inferon). Den Forschern der renommierten Stanford Universität ist es gelungen eine direkte Verbindung zwischen Psyche und Immunsystem nachzuweisen. Wer gut gelaunt ist und mehrmals täglich herzhaft lacht regt damit die Produktion der Immunglobuline A an. Diese markieren im Körper Krankheitserreger und Krebszellen und sorgen dafür dass diese von den Abwehrzellen erkannt und beseitigt werden können.

 

Das Zentralnervensystem

Wird beim Lachen in einen Zustand der generellen Anregung und gesteigerten Aufmerksamkeit versetzt. Lachen schafft einen Ausgleich zwischen Sympathikus- und Parasympatikusfunktion des autonomen Nervensystems.

 

Andere Untersuchungen beweisen, dass durch das Lachen Endorphine (körpereigene Schmerzmittel) und Katecholamine (wirken stimulierend und aufheiternd) ausgeschüttet werden.

 

Verdauung

Lachen massiert über die Zwerchfellbewegung den Darm und sorgt so für eine gute Verdauung  und Verwertung der Nährstoffe.

 

 

Eine Minute Lachen wirkt wie ein Entspannungstraining von 45 Minuten (z.B. Joggen)

 

 

Lachen

Sorgt für tiefen, erholsamen Schlaf!

 

Lachen

Löst Energie-Blockaden und wirkt wie ein Jungbrunnen! Eine ständige Selbstkontrolle gepaart mit der Angst etwas falsch zu machen, führt im Körper zu Verspannungen und Blockaden.

 

Lachen

Ist eines der wichtigsten sozialen Signale und als Kommunikationsmittel funktioniert es über alle Sprachgrenzen, weltweit um Menschen einander näher zu bringen. 

 

Die kürzeste Distanz zwischen zwei Menschen ist ein Lächeln!

 

Lachen

Fördert den Mut auf andere Menschen zuzugehen und wird heutzutage zunehmend als therapeutisches Mittel gegen die Angst eingesetzt. Lachen fördert das Selbstvertrauen und erlaubt es Probleme aus einer gewissen Distanz und unter einem anderen Blickwinkel wahrzunehmen.

 

Lachen

Erzeugt Distanz zu den Problemen und Nähe zu den Aufgaben!!

 

Lachen

Schult unseren Sinn für Humor…und dieser ist bekanntlich in allen Lebens-Not-Lagen ein Rettungsanker.

 

Lachend…

wird die Verbindung zu unserem „inneren Kind“ aktiviert und dies führt zu mehr Neugier, Spontanität, Kreativität und Freude an den einfachen kleinen Dingen des Lebens.

 

Lachen

Lässt Lebensenergie wieder frei und ungehindert fliessen und führt so zu inneren Kraft, Ausgeglichenheit und Heiterkeit.

 

LACHEN IST GESUND UND GIBT UNS EINE GUTE LAUNE!!

 

Es gibt nur eine Gesundheit

…und viele Krankheiten.

Lachen fördert das Eine!!!

 

 

Ein Interview mit Prof. Dr. William Fry, dem grossen, alten Mann der

Lachforschung, über Humor, Selbstversuche und lachende Affen... ...

im SZ-MAGAZIN der Süddeutschen Zeitung vom 10.12.1999.

 

Herr Dr. Fry, womit wollen Sie anfangen? Einer Ihrer Kollegen, Prof. Paul

McGhee, beginnt angeblich jede Veranstaltung mit einem Witz.

Ich würde vorschlagen, wir reden einfach. Wenn es um Humor geht, bin ich ein

ernsthafter Mensch.

Es darf hier also ab sofort nicht mehr gelacht werden?

Fry: Doch, natürlich, aber das kommt schon von allein.- Humor und

Ernsthaftigkeit schliessen sich keineswegs aus - ich hatte immer Spass bei

meinen Untersuchungen.

Erinnern Sie sich noch an Ihr erstes Experiment?

Fry: Sicher. Das war in den sechziger Jahren und die Lachforschung war damals

noch absolutes Niemandsland. Ich selbst war eine meiner Testpersonen. Ich

hatte mir ein Film von Laurel & Hardy besorgt, um mich zum Lachen zu

bringen. Die Folge, wo die beiden ein Klavier den Hügel hinaufschieben - ich

liebe diesen Fi]m. Wir wollten herausfinden, was genau im Körper während des

Lachens passiert. Also steckte ich mir eine Kanüle in den Arm, durch die mir in

regelmässigen Abständen Blut abgenommen wurde. Anschliessend liessen wir

das Blut chemisch analysieren.

Und?

Fry: Die Ergebnisse waren sensationell: Wir stellten fest, dass die Aktivität der

natürlichen Killerzellen während der Lachphase ansteigt. Der Körper wird also

widerstandsfähiger.

Und sobald wir aufhören zu lachen, werden wir wieder so anfällig wie vorher?

Fry: Nein, nein. Tests haben ergeben, dass die Stimulation des Immunsystems

oft über mehrere Stunden anhält.

Das heisst, wer alle zwei, drei Stunden ordentlich lacht, kriegt keinen

Schnupfen?

Fry: Um solche Aussagen machen zu können, sind noch viele Untersuchungen

nötig. Zum Glück bekamen wir damals Unterstützung von Firmen wie Hewlett-

Packard und Beckmann Instruments, die selbst noch völlig unbedeutend waren -

das ganze Silicon Valley war ja noch eine Aprikosenplantage. Beckmann

Instruments hatte gerade ein Gerät entwickelt, das die Atmung erfasste, indem

es ein elektrisches Signal von der Vorder- zur Rückseite des Brustkorbs sendete.

So stellten wir fest, dass sich die Atemfrequenz beim Lachen deutlich erhöht -

das war nie zuvor objektiv gemessen worden.

Wie kamen Ihre Ergebnisse an?

Fry: Die Untersuchung des Immunsystems erregte weltweit Aufsehen.

Inzwischen sind unsere Ergebnisse wiederholt bestätigt worden. Aber es gab

auch Leute, die mich gerade mal so ernst nahmen, dass sie mir vorschlugen, an

einem Comic-Wettbewerb teilzunehmen. Eines Abends genehmigte ich mir ein

paar Gläser Sherry und dachte mir: Zum Teufel, warum eigentlich nicht? Die

Vorgabe war ein Strip mit zwei Engeln auf einer Wolke, dazu sollte man sich

einen Text ausdenken.

Was haben Sie hingeschrieben?

Fry: Der eine Engel sagt zum anderen: «Ach, diese Wolken sind herrlich für

meine Hämorrhoiden.» Die Jurymitglieder waren so begeistert - wahrscheinlich

litten sie selbst unter Hämorrhoiden - dass sie mir den ersten Preis gaben. Aber

sehen Sie: Sie lachen auch.

Erklären Sie doch mal, was nun genau in meinem Körper passiert.

Fry: Eine ganze Menge: Der Herzschlag wird schneller, der Blutdruck geht hoch

und im Gehirn finden elektrochemische Reaktionen statt, die typisch für erhöhte

Wachsamkeit sind. Die Hauttemperatur steigt und der Körper schüttet mehr

Hormone aus. Es gibt bestimmte Muskeln, die während des Lachens angespannt

werden, die Bauchmuskeln zum Beispiel, logisch. Andere Muskeln entspannen

sich. Sie haben bestimmt schon mal beobachtet, dass kleine Kinder vor lauter

Lachen auf den Boden fallen: Die Muskelentspannung ist der Grund dafür. Das

Lachen ist also ein unglaublich komplexer Vorgang. Man nimmt sogar an, dass

die Schmerzempfindlichkeit herabgesetzt wird.

Wie stellen Sie so was fest? Zum Beispiel, dass wir beim Lachen mehr

Schmerzen aushalten?

Fry: Das hat Paul McGhee, auch ein Pionier der Lachforschung,

herausgefunden. Seine Testpersonen mussten die Hand in eiskaltes Wasser

tauchen; ab einem gewissen Punkt tut das weh. Diese Schmerzgrenze hat er

gemessen und festgestellt, dass sie sich nach oben verschiebt, wenn die

Versuchspersonen gleichzeitig ein lustiges Video sehen.

Klingt, ehrlich gesagt, ein bisschen unwissenschaftlich. Vielleicht hat das Video

die Studenten ja einfach nur abgelenkt.

Fry: Das stimmt schon: Andere Untersuchungen ergaben später, dass auch

tragische Filme, etwa eine Dokumentation über Auschwitz, die

Schmerzempfindlichkeit senken. Wahrscheinlich gilt das sogar für jede Art von

emotionaler Erregung.

Sie selbst sind in letzter Zeit ebenfalls kritisiert worden, weil Sie Ihre wichtigen

Untersuchungen ohne Kontrollgruppe gemacht haben.

Fry: Zum Teil ist diese Kritik berechtigt: Nur mit Kontrollgruppe können wir

beweisen, dass die positiven Auswirkungen auf das Immunsystem nicht durch

Zufallsfaktoren wie Hunger oder die Laboratmosphäre ausgelöst wurden. Aber

ich habe damals bei null angefangen! Ich bin der Erste, der sagen würde:

Weitere Untersuchungen sind nötig.

Haben Sie auch mal Versuche mit Lachgas gemacht?

Nein, darauf habe ich bewusst verzichtet. Wenn Sie die Monde des Jupiter

erforschen wollen, untersuchen Sie ja auch keine Luftballons. Mich interessiert

das natürliche Lachen.

Was halten Sie von Norman Cousins Selbstversuch? Der Journalist, der an einer

tödlichen Wirbelsäulenkrankheit litt, bekämpfte seine Schmerzen mit Videos der

Marx Brothers. Cousins behauptete, dass er danach endlich mal wieder ein paar

Stunden ohne Schmerzen habe schlafen können. Sein Buch wurde ein Bestseller.

Fry: Ein faszinierendes Buch, aber ich finde den Wirbel darum übertrieben.

Cousins ist ein Einzelfall und bedenken Sie: Der Mann konnte schreiben! Ich

warne vor übereilten Schlüssen. Wir dürfen nicht den Fehler machen, erst

sensationelle Erkenntnisse hinauszuposaunen und nachträglich mit der

Grundlagenforschung zu beginnen. Das wäre so, als würden wir erst die Hose

anziehen und anschliessend in die Unterhose schlüpfen.

Dann stehen Sie also nach fast vierzig Jahren Forschung immer noch in der

Unterhose da?

Fry: Schlimmer: Ich liege noch in den Windeln.

Aber es tut sich doch eine Menge. Es gibt inzwischen Lachkongresse, Therapien,

Lachclubs.

Fry: Und eine Gesellschaft HumorCare, die den Humor in der Psychotherapie

fördern will (www.humor.ch). Verglichen mit früher ist das natürlich ein

gewaltiger Fortschritt. Als ich in den fünfziger Jahren an der Stanford-

Universität mein Institut für Lachforschung gründete, wurde ich verspottet. Es

war Konsens in der Medizin, dass Humor im Krankenhaus gar nichts zu suchen

hat.

Der berühmte Arzt Patch Adams brachte mal ein Mädchen, das einen Tumor im

Gesicht hatte, zum Lachen, indem er sich selbst eine Tumorattrappe

umschnallte. Hätte auch danebengehen können, oder?

Fry: Adams war Profi, er wusste, was er tat. Aber das Beispiel zeigt, dass es

nicht reicht, ein paar Witze zu machen.

Kann das Lachen einer Behandlung nicht auch im Wege stehen? Ihr Kollege

Rod Martin spricht von «Verdrängungslachen»: Statt Gefühle zu zeigen, lacht

man lieber.

Fry: In der Therapie gibt es kein Verdrängen, das von vornherein schlecht ist, es

kann sogar sehr wichtig sein: wenn der richtige Zeitpunkt noch nicht da ist, sich

bestimmten Dingen zu stellen. Da würde ich als Therapeut niemals die

Konfrontation erzwingen. Ich selbst habe nur das «heitere Lachen« untersucht,

also das Lachen als Reaktion auf Humor, aber natürlich sind da noch viele

andere Arten: höhnisches Lachen, zwanghaftes Lachen, ängstliches Lachen,

triumphierendes Lachen.

Krankhaftes Lachen?

Fry: Klar. Es gibt zum Beispiel Babys, die lachend zur Welt kommen. Auslöser

ist eine Art epileptischer Schock, hervorgerufen durch den Geburtsstress. Es

wäre mal interessant zu untersuchen, wie sich diese Kinder weiterentwickeln.

Ich hatte auch mal einen Patienten, der nicht aufhören konnte, merkwürdig

abgehackt zu lachen. Er litt an den Folgen einer Kriegsverletzung, bei der das

Gehirn in Mitleidenschaft gezogen worden war. Die Medizin ist leider noch

nicht in der Lage, zerstörtes Hirngewebe zu ersetzen. Ich konnte dem Patienten

deshalb lediglich Beruhigungsmittel verschreiben, die seine Symptome

linderten.

In welcher Gehirnregion liegt eigentlich die Schaltstelle für das Lachen?

Fry: Es sind viele Sektoren beteiligt, zum Beispiel der Hypothalamus und Teile

der frontalen Hirnrinde. Im Mittelalter glaubte man übrigens noch, dass die Milz

das Lachzentrum sei. Die ja im Englischen bezeichnenderweise spleen heisst.

Wie kommt es, dass wir manchmal weinen, wenn wir lachen?

Fry: Das ist eine anatomische Sache. Wenn man lacht, steigt der Luftdruck im

oberen Teil der Nase. Die Luft drückt auf die Tränendrüsen. Wie bei einem

Strohhalm, in den man hineinpustet statt daran zu saugen: Die Luft entweicht ins

Wasser, das Wasser blubbert an der Oberfläche. Beim Lachen führt der

Luftdruck zu Tränen.

Wieso lachen wir, wenn wir gekitzelt werden, aber nicht, wenn wir uns selbst

kitzeln?

Fry: Da spielt das Element der Ambivalenz eine Rolle. Darunter versteht man in

der Psychologie ein Nebeneinander von zwei gegenläufigen Empfindungen. Es

gibt zahlreiche psychologische Faktoren, die eine Ambivalenz intensivieren oder

animieren können.

Wie meinen Sie das genau?

Fry: Das Gefühl, gekitzelt zu werden, ist einerseits angenehm, andererseits

unangenehm und irritierend. Aus diesem Widerspruch entsteht eine Spannung,

die sich durch Lachen entlädt. Wenn man sich aber selbst kitzelt, fühlt man sich

absolut sicher. Man ist niemandem ausgeliefert, also muss man auch nicht

lachen. Sind Tiere kitzelig? Haben Sie mal Ihren Hund unter der Pfote gekitzelt?

Er zuckt mit dem Bein und verzieht die Lefzen. Das ist natürlich kein Lachen,

aber schon ein ganz spezieller Gesichtsausdruck.

Gibt es denn Tiere, die richtig lachen? Delfine zum Beispiel sehen ständig gut

gelaunt aus.

Fry: Ich habe das lange bestritten, bis ich irgendwann einen Anruf bekam: «Sie

wissen nicht, wovon Sie reden!» Ich sagte: «Bitte?» - «Sie wissen nicht, wovon

Sie reden.» Der Anrufer war Lawrence Pinneo, ein Wissenschaftler des Stanford

Research Institut, der mit Schimpansen arbeitete und mich nun davon

überzeugen wollte, dass seine Affen Humor haben - er sperrte mich sogar mal

mit drei fröhlichen Jungtieren in einen Käfig, um es mir zu beweisen. Nun' ich

würde eher von sozialen Grimassen sprechen. Aber auf alle Fälle kann man

sagen, dass Menschen und Schimpansen das Lachen von einem gemeinsamen

Vorfahren geerbt haben. Demnach wären die ersten primitiven Formen des

Lachens schon 6,5 Millionen Jahre alt.

Die Neandertaler haben angeblich gelacht, um sich gegenseitig mitzuteilen,

dass keine Gefahr besteht.

Fry: Das kann schon sein, aber bedenken Sie, dass neueste Studien davon

ausgehen, dass die Neandertaler Kannibalen waren. Vielleicht war das Lachen

also nur ein Trick: Komm ruhig näher, damit ich dich besser fressen kann.

Dann war das wohl ein politisch unkorrektes Lachen.

Fry: So kann man es auch ausdrücken. Ich finde diese ganze Debatte über

«political correctness» allerdings ziemlich überflüssig. Es ist Blödsinn,

bestimmte Arten von Humor verbieten zu wollen. Natürlich dürfen wir über

andere lachen - wir müssen uns halt darüber klar sein, dass das nach hinten

losgehen kann. Dass der andere zurückschlägt.

In Deutschland gibt es einen Komiker, Harald Schmidt, dem manche Menschen

seine politisch unkorrekten Witze übel nehmen. Wie finden Sie den: «Jetzt soll

auch noch Claudia Schiffer nach Bosnien geschickt werden. Als hätten die Leute

dort nicht schon genug gelitten.» Sie lachen?

Fry: Aber nur über die gelungene Form, nicht über den Inhalt. Diese Art von

Lachen meinte ich vorhin, als ich von zwanghaftem Lachen sprach: ein Lachen

wider Willen.

Jemand, der nicht weiss, wer Claudia Schiffer ist, hätte nicht gelacht.

Fry: Weil er das Paradox nicht verstanden hätte. Der Sinn für Humor ist ein

psychologischer Fingerabdruck, anhand dessen man einen Menschen

identifizieren kann. Seine Herkunft, seine Bildung, sein soziales Umfeld. Es gibt

keine zwei Menschen, die exakt denselben Humor haben. Und es gibt kein Volk

auf der Welt, das gar nicht lacht.

Aber auch keinen Witz, über den jeder lacht, oder?

Fry: Ich habe mal einen erfunden, den fast alle Menschen lustig finden. Sagt ein

Freund zum anderen: «Manchmal frage ich mich, was schlimmer ist: Ignoranz

oder Apathie.» Darauf der andere: «Das weiss ich nicht und es interessiert mich

auch nicht.»

Was finden Sie sonst noch lustig?

Fry: Eine Menge! Ich habe mir eine komplette Humorsammlung angelegt, die

kann ich nur empfehlen. Da stehen zum Beispiel Filme von verschiedenen

Komikern.

Kein Lachsack?

Fry: Nein, das Lachen wäre mir zu künstlich. Aber ich liebe Calvin & Hobbes-

Comics. Kennen Sie die? Darin geht es um einen Jungen, der sich vorstellt,

einen Tiger zum Freund zu haben. Die helfen hervorragend gegen

Konzentrationsstörungen. Statt mir einen Tee zu kochen, was eine Viertelstunde

dauert, nehme ich einfach Calvin & Hobbes zur Hand und lache mich drei

Minuten kaputt. Der Blutdruck steigt, das Hirn wird gut durchblutet und ich

kann wieder an die Arbeit gehen.

In einer Studie haben Sie das Lachen mal mit Aerobic verglichen.

Fry: Die Leute meinen immer, ich spinne! Aber zwanzig Sekunden Lachen

entsprechen der körperlichen Leistung von drei Minuten schnellem Rudern oder

Laufen. Sie werden sehen, irgendwann wird die Welt die Lachwissenschaft

anerkennen. Denken Sie nur an Galileo Galilei...

Sie vergleichen sich mit Galilei?

Fry: Der wurde auch angefeindet, weil er etwas aussprach, das keiner glauben

wollte und dann hat er unser ganzes Weltbild verändert. Das könnte der

Lachforschung auch gelingen.

 

 

Gute Laune, Gelächter, echte Freude sind reine Medizin.

Sie nehmen Ängste, stärken die Abwehrkräfte.

Ein Interview mit Dr. Michael Titze

Warum lacht der Mensch?

Da ist einmal der rein körperliche Reiz - also das Kitzeln. Geradezu ansteckend

wirkt das Lachen anderer Menschen - wir lachen mit. Und wir lachen meist

dann, wenn der normale Lauf der Dinge abrupt unterbrochen wird. Wenn

plötzlich etwas Unerwartetes eintritt, das unser geregeltes Denken umstösst. Das

finden wir komisch und prusten los. Die meisten Witze laufen nach diesem

Schema ab.

Ist Gelächter so etwas wie eine - positive - Explosion der Seele?

Ganz genau. Lachen ist Ausdruck der Befreiung, der vollkommenen

Spannungslösung. Beim echten Lachen steigen wir aus der Selbstkontrolle aus.

Wir überlassen uns ganz der Weisheit des Körpers, so wie es das neugeborene

Kind tut. Dadurch kann ursprünglichste, reine Lebensfreude durch uns fliessen.

Warum kommen uns zuweilen die Tränen beim Lachen?

Unser Lachmuskel spannt insgesamt 15 Gesichtsmuskeln an, darunter die des

Tränensacks, so dass wir beim Lachen Tränen vergiessen.

Wie reagiert unser Körper auf das hemmungslose Gelächter?

Beim Lachen weitet sich der Brustkorb - manchmal bis an die Schmerzgrenze.

Wir nehmen mehr Sauerstoff auf. Unser Herz schlägt anfangs schneller, nach

längerem Lachen aber deutlich langsamer. Die Muskulatur der Arterien

entspannt sich. Folge: Der Blutdruck sinkt, die entspannte Muskulatur wird

besser durchblutet.

Und wie ist das mit den Glückshormonen?

Beim Lachen werden zunächst Stresshormone abgebaut und das Immunsystem

aktiviert. Dann aber kommt es zur Ausschüttung von schmerzlindernden

Glückshormonen, sogenannten Endorphinen, die sonst nur nach langem Joggen

- oder ähnlicher Daueranstrengung - im Blut nachzuweisen sind.

Stimmt es, dass Menschen, die gern und viel lachen, keine Schlafprobleme

haben?

Richtig. Das machen die Muskelentspannung, die erhöhte Sauerstoffzufuhr und

die genannten Endorphine, die eine Art körpereigenes Morphium sind. Alles

zusammen sorgt dafür, dass Schlaflosigkeit bald kein Thema mehr ist, wenn

man tagsüber viel lacht.

Man soll ganz bewusst lachen, wenn sich eine Möglichkeit bietet?

Unbedingt. Wir müssen systematisch die Anreize im Alltag zum lauten

Gelächter nutzen.

Wie kann Lachen das Abwehrsystem des Körpers stärken?

Amerikanische Lachforscher (Gelotologen) haben herausgefunden, dass Lachen

die Bildung von Antikörpern fördert. Diese Stoffe sind wichtig bei der Abwehr

von Viruserkrankungen und Krebs. Ausserdem haben Lacher mehr natürliche

Killerzellen und den Abwehrstoff Gamma-Interferon im Blut. In der Medizin

wird es deshalb vor allem zur Stärkung des Immunsystems eingesetzt.

Und in der Psychologie?

Was uns Angst macht, verliert seinen Schrecken, wenn wir darüber lachen

können. Wenigstens eine Zeitlang. Lachen ändert unsere negative Einstellung.

Ganz wichtig auch bei depressiven Menschen, die durch Lachen zu

Selbstbejahung und neuer Lebensfreude kommen.

Ist es besser, allein oder in der Gruppe zu lachen?

In der Gruppe geht es am besten wegen der "Ansteckung".

Wie oft soll man eigentlich lachen - welches Mass ist gesund?

So oft wie möglich. Wer sich einer Gruppe anschliesst, sollte ein bis zweimal

pro Woche 15 bis 30 Minuten mitlachen.

Wer zuviel lacht, gilt in unseren Breitengraden als lächerlich.

Echtes, schallendes Gelächter ist nie lächerlich - möglicherweise aber für

todernste Zeitgenossen etwas befremdlich. Was schert es uns?

Lachen auf Krankenschein?

Festangestellte Humorberater sind in amerikanischen Krankenhäusern keine

Seltenheit. Eine Reihe von Krankenschwestern und Kinderärzten haben sich

zum Klinik-Clown fortgebildet. Das beginnt erfreulicherweise jetzt auch in

Deutschland.

Und erste Lachclubs sind auch schon da. Aber «Lachen auf Krankenschein» -

das wird wohl noch eine Weile dauern.

"Die heilende Kraft des Lachens" von Dr. Michael Titze,

Koesel Verlag

Infos Lachtherapeuten: HumorCare/Schweiz www.humor.ch