Haben wir das Lachen vergessen?

 

 

Im Oktober 1998 wurde bei einem internationalen Kongress über den Humor in Basel ein Bericht vorgestellt, der besagt, dass der moderne Mensch das Lachen vergessen hat. Obwohl die Menschen heute wohlhabender sind, fühlen sie sich schlechter als die Menschen vor vierzig Jahren. Einer Studie zufolge lachten die Menschen sogar in den Zeiten wirtschaftlicher Depression während der fünfziger Jahre 18 Minuten am Tag. Heute nicht länger als sechs Minuten am Tag. Obwohl der Lebensstandard enorm gestiegen ist. Die Wahrscheinlichkeit, dass Menschen depressiv werden, ist heute zehnmal höher, denn sie legen sehr grossen Wert auf Erfolg und Leistung. Wenn sie es nicht schaffen, diese Ziele zu erreichen, dann leiden sie unter Gefühlen von Scham und Depression. Dies ist ein Zitat des deutschen Psychologen Dr. Michael Titze.

 

Durch den übergrossen Ernst wird auch unser Sinn für Humor krank. Die Dinge, über die wir vor dreissig oder vierzig Jahren noch herzlich gelacht haben, rufen heute noch nicht einmal mehr das leiseste Lächeln hervor.

Echtes, schallendes Lachen, die Art von Lachen, bei der einem die Tränen über die Wangen laufen, gibt es heute kaum mehr. Es scheint, dass unsere Lachschwelle durch den Stress angestiegen ist. Sind wir durch die immer grösser werdenden Anforderungen an uns, den mechanischen Weltrobotern ähnlich geworden und arbeiten wir fortwährend, um unseren mechanischen Vorteil zu vergrössern. Eine Studie des Begründers der Lachwissenschaft, Prof. William Fry, von der Stanford University besagt, dass Kinder mehr als 300mal am Tag lachen und Erwachsene gerade noch 15mal. Heute gibt es nur sehr wenige Situationen, die uns wirklich zum Lachen bringen, dafür aber viele hundert Dinge, die uns unglücklich machen. Wir geben einen grossen Teil unseres Einkommens dafür aus, stressbezogene Krankheiten zu behandeln. Eine Wunderarznei wie das Lachen kann medizinische Kosten einsparen, denn sie stärkt das Immunsystem, das bei der Abwehr von vielen

Krankheiten eine wichtige Rolle spielt. Nun liegt es an uns, die Wundermedizin, „Das Lachen“ bewusst und oft anzuwenden.

 

Mit grosser Freude ist es mir auch gelungen, Gruppen von Schmerz-sowie MS-Patienten in ganz speziellen Workshops über die Lachwissenschaft und das Lach-Yoga  zu informieren. So durfte ich ihnen damit etwas Freude in ihren Alltag zu bringen. Unterwegs in der ganzen Schweiz, wird die Nachfrage immer grösser auch in Firmen und Institutionen. So freue ich mich ganz besonders  immer wieder neue Lachpädagogen ausbilden zu dürfen. Die nächste Ausbildung findet im November 2007 statt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Das Lach-Yoga „Einsteiger-Set“

  

 

Der Einstieg ins Lachen

 

Sie finden hier neun Hinweise, die Ihnen das Lach -Training erleichtern werden.

 

Die Lach-Yoga-Übungen sind einfach in ihrer Anwendung und effektiv in ihrer Wirkung. Sie bestehen aus einer Kombination von Dehn-, Klatsch-, Atem– und Lachübungen, die verschiedene Organsysteme ansprechen. Das Ergebnis ist ein gut durchbluteter und mit viel Sauerstoff versorgter Organismus. Der Einstieg ins Lach-Yoga ist jederzeit möglich und erfordert keine Vorkenntnisse. Gönnen Sie sich regelmäßig Lach-Yoga, damit die angenehmen Gefühle und die gesundheitlichen Wirkungen anhalten.

 

Unser Lachclub-Treff  Zentralschweiz, ist im Januar 2004 gestartet und geht zurück auf die Kombination von Lachen und Yoga, die entwickelt wurde von dem Arzt Dr. Madan Kataria, der im Mai 1995 im indischen Mumbai den  ersten Lachclub gegründet hat. Heute umfasst die Lachbewegung weltweit etwa 4000 Lachclubs, davon über 100 in Deutschland und in der Schweiz zur Zeit ihrer 8-10.Tendenz steigend.

 

Das Training bietet eine gegliederte Übungsstruktur und für jede Einheit ein Anleitung. Dieser Rahmen sichert  denn dem Yoga eignen Wechsel für Aktion und Entspannung, die Stimulierung des Organismus und die ausgleichende Tiefenatmung, um die Vitalität zu kräftigen.

 

Lesen Sie bitte weiter, was für Ihr Training wichtig ist und wie Sie Ihr Lachen entfalten können.

 

 

Punkt 1/ Das künstliche und das echte Lachen

 

Die Übungen und das Lachen selbst werden regelmäßig als angenehme Beanspruchung und positive Aktivierung erlebt. Hier ein Tipp, wenn Sie zu Beginn sozialen Stress spüren sollten: Die ersten Übungen beginnen normalerweise mit künstlichem Lachen, das früher oder später in echtes Lachen übergeht und dann wieder in künstliches Lachen wechselt, streckenweise so, phasenweise so: Jeder hat seinen Rhythmus. Fürchten Sie nicht, sich lächerlich zu machen, zu laut, zu wenig oder zu verhalten zu lachen, sondern folgen Sie dem Wechsel Ihrer Befindlichkeit. Üben Sie einfach weiter, bis sich die kritisch kontrollierende Selbstbeobachtung verliert: Hirn ausschalten, Blickkontakt zu den anderen Lachern - und durch die ersten Übungen und die erste Stunde!

 

 

Punkt 2/ Der Blickkontakt – Wir lachen miteinander

 

Während der meisten Übungen gaukeln und schwirren wir im Umhergehen durch den Raum. Schauen Sie bitte nicht auf den Boden oder gegen die Zimmerwände: Nehmen Sie Blickkontakt zu den Mit-Lachern auf: Der Zündfunke für das Lachen! Schauen Sie den anderen direkt in die Augen und halten Sie bitte diesen Blickkontakt, er wird sie beflügeln und immer wieder zum Lachen reizen. Das gilt sowohl für die Lach-Übungen als auch für die Ho-ho-hahaha-Klatschübung.

 

Wir lachen miteinander und halten visuell und akustisch zueinander Verbindung. Die Gesichter und die Blicke zu sehen ist ebenso ein wesentliches Lach-Yoga-Element wie das Kichern und Prusten der anderen zu hören.

 

Haben Sie nicht als Kind schon unbefangen und frei mit anderen zusammen gelacht? Aus diesem Grund lacht es sich ganz allein nicht so einfach: Es handelt sich um ein Erleben in Gemeinschaft. Das gilt international und für alle Menschen auf allen Kontinenten, und eben deshalb läßt es sich beim Lach-Yoga mit zunächst  Unbekannten so einfach lachen. An dieser Stelle sei erwähnt, dass Lach-Yoga weltanschaulich und konfessionell neutral und unabhängig ist.

 

 

Punkt 3 / Ho-ho-Hahaha und das Händeklatschen

 

Die Einzelübungen des Lach-Yoga werden getrennt durch rhythmisches Klatschen mit lautem Rufen von „ Ho-ho-Hahaha“ Hierbei werden die Hände gespannt und die Finger und Daumen beider Hände gespreizt. Die Handballen wölben sich hervor, und das Klatschen stimuliert die Akupressur-Punkte in den Handflächen und massiert die Handreflexzonen. In der traditionell asiatischen Medizin, auch beim Kundalini-Yoga, geht man davon aus, dass alle Bereiche der Handflächen unterschiedlichen Gehirnbezirken und Organen energetisch zugeordnet sind. Danach korrespondieren beispielsweise Daumen und Zeigefinger mit dem oberen Bereich der Lunge, Mittel-, Ring– und kleiner Finger mit dem unteren Teil beider Lungenflügel. Die „Ho-ho-Hahaha“-Übung beruht auf einer Kapalabhati genannten Atemübung des Hatha-Yoga, aktiviert das Zwerchfell und reinigt Bronchien und Lunge.

 

 

Punkt 4/ Das Lachen und die Stille: Der Wechsel

 

Wie sich Tag und Nacht abwechseln, wie Ebbe und Flut kommen und gehen, wie Wachsein und Schlafen, so finden sich im menschlichen Leben Zeiten der Aktion und der Ruhe, der Anspannung und der Entspannung. Yoga lebt ebenfalls aus dem Wechsel: Die Klatsch– und Lachübungen sind laut und voller Aktion und können je nach gesundheitlicher Verfassung, Kondition, Jahreszeit und Tagesform eine leichte Anstrengung für den Kreislauf sein, auch aufgrund ungewohnter Zwerchfellbewegungen.

 

Gönnen Sie sich zwischen den Übungen stille Pausen ohne Lachen und Sprechen. Halten Sie Stille

 

  1. während der Dehnübungen zu Beginn des Trainings, um die Muskulatur zu lockern,
  2. während der Anleitungen der Übungen, damit alle ungestört zuhören können, und vor allem
  3. während der Atemübungen, um das Regelsystem des Lungenkreislaufs zu stabilisieren und
  4. die psychische Stimulierung auszugleichen, auch mit Rücksicht auf die Mitlacher und Mitlacherinnen.

 

 

Punkt 5/ Die Lach-Yoga-Übungen

 

Hasya-Yoga besteht aus verschiedenen Lachübungen, von denen die überwiegende Zahl eine Kombination aus Atemübungen mit pantomimischen Bewegungen ist. Die fünfzig wichtigsten werden abwechselnd praktiziert. Alle Übungen haben einen medizinischen Hintergrund. Durch die während des Lachens ausgelöste Schwingung in der Luftröhre und durch Bewegung des Zwerchfells erfolgt eine Art „innere Massage“ aller Organe und der Drüsen am Hals. Zudem stellt sich eine intensive Anreicherung des Blutes mit Sauerstoff ein.

 

 

Punkt 6/ Wirkungen auf Körper und Psyche

 

Lach-Yoga fördert die psychische und physische Gesundheit im Alltag und in Krisen. Nach dem

derzeitigen Forschungsstand darf davon ausgegangen werden, dass Lachen unterstützend wirkt auf den Muskeltonus, durch die Bewegung des Zwerchfells die Arbeit der Verdauungsorgane sowie den Gesamtstoffwechsel anregt und die Tiefenatmung verstärkt. Das Gehirn wird zur Produktion von Endorphinen veranlasst, die für das Wohlfühlerleben maßgebend sind. Ebenso können die durch Stresserleben entstandenen Hormone reduziert werden, insbesondere Adrenalin und Cortisol. Das Herz-Kreislauf-System wird trainiert. Lach-Yoga wird bereits in der Schmerztherapie eingesetzt, gelegentlich auch von Zahnärzten.

 

Lach-Yoga unterstützt den schnellen Abbau von emotionalen Spannungen und kann manchmal einen unerwarteten Perspektivwechsel in Gang setzen und Entscheidungsprozesse begünstigen. Es kann das  Loslassen rigider Verhaltensmuster und kreative Tätigkeiten fördern. Soziale Kompetenzen können im Hinblick auf zwischenmenschlich-konstruktive Beziehungen erweitert werden.

 

 

Punkt 7/ Gesundheitsvorsorge und -schutz

 

Bei jedem Lachen ändern sich durch die Bewegungen des Zwerchfells und die vertiefte Atmung die Druckverhältnisse im Abdomen, Lunge und Gehirn und phasenweise steigt der Blutdruck wie bei leicht-sportlicher Betätigung, ein normaler Vorgang, den Ihr Körper ebenso kennt wie die psychische Stimulierung, gesteuert von Hormonen. Lachen wirkt vorbeugend und auch heilend.

 

 

Punkt 8

 

Günstige Veränderungen sind nur durch regelmäßiges Lachen über einen längeren Zeitraum möglich. Man kann auf keinen Fall erwarten, dass die Teilnahme an einem einzigen Lach-Yoga-Seminar anhaltende Wirkungen auf Körper und Geist zeigt. Wer Beispielsweise einen Tag fastet, erfährt keine durchgreifende Reinigung und nimmt nicht deutlich ab. Wer nur einmal hundert Meter gelaufen ist, kann gesundheitliche Verbesserungen nicht erzielen. So verhält es sich auch mit dem Lach-Yoga: Kontinuierliches Üben über längere Zeit bringt den Erfolg.

 

 

Punkt 9

Setzen Sie sich nicht unter Druck, sondern gehen Sie die Sache sanft an. Probieren Sie sich und Ihr Lachen über mehrere Wochen aus. Es geht um Ihren Fortschritt. Auch für die Praxis des Lach-Yoga gilt der Satz: Sich mit anderen zu vergleichen ist der erste Schritt zum Unglücklichsein. Lösen Sie sich, nehmen Sie Ihr  künstliches und echtes Lachen gleichermaßen an. Gönnen Sie Ihrem Körper und Ihren Gefühlen die Freude, heiter und gelöst zu lachen.

 

Zum Wohlfühlen während der Lachstunde hat sich bequeme Kleidung bewährt. Bringen Sie eine Decke, ein paar dicke Socken mit oder Turnschuhe oder Ähnliches. Im Sommer und bei hohen Temperaturen empfiehlt sich, eine Trinkflasche mit Wasser bereit zu haben.

 

 

Im zweiten Teil, der so genannten „Lachmeditation“, liegen alle auf  ihren mitgebrachten Decken und geben sich in immer wieder an- und abschwellenden Lachsalven dem freien Lachen im Liegen hin. Es wird beim intensiven Lachen auch von einer „lauten Sofortmeditation“ gesprochen, weil - wie bei jeder Form der Meditation der Intellekt ausgeschaltet wird und das Denken stehenbleibt. So gewinnen wir in unserer „kopflastige Gesellschaft“ wieder Zugang zu unserer Intuition.